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Arbeits- und Gesundheitsschutz

Arbeitssicherheit ist die die Minimierung von Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit.

Die Baustellenverordnung vom 10. Juni 1998 macht es erforderlich, dass Bauherren bei Planung und Ausführung ihrer Bauvorhaben geeignete Koordinatoren einsetzen, damit die Sicherheit und der Gesundheitsschutz auf Baustellen für Beschäftigten wesentlich verbessert wird.

Sie sind Bestandteil des Arbeitsschutzes im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes um geeignete Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen bei der Arbeit sowie bei arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu ergreifen.

Derjenige der als Unternehmer oder als vom Unternehmer Beauftragter wie betrieblicher Vorgesetzter, Meister, Betriebsleiter, Geschäftsführung und Aufsichtsrat Arbeiten beauftragt oder zulässt, die nicht den Regelwerken und Normen der jeweiligen Branche entspricht, kann persönlich straf- und zivilrechtlich belangt werden.

Wir sind qualifizierte Sicherheitskoordinatoren nach RAB 30 für SiGe Koordinatoren nach Baustelle IV - Spezielle Koordinatoren

 
 Unsere Serviceleistungen umfassen:
 

Überprüfung aller notwendigen Papiere vor Arbeitsaufnahme

Führen einer Personalstatistik (Anwesenheitsliste), Überprüfung der Personalliste, A1 und Sozialversicherungsausweise, Ersthelfer, Werkzeugliste und Prüfbücher, usw.

{slider= Unterweisung der Mitarbeiter für Montagearbeiten und/oder Inbetriebnahme}

Unterweisung der Mitarbeiter hinsichtlich der vorhandenen Gefahren und der umzusetzenden Schutzmaßnahmen mit einer Powerpointpräsentation in deutscher und englischer Sprache (ggf. mit Dolmetscher).

Themenschwerpunkte: Übergabe aller notwendigen Dokumente vor Arbeitsaufnahme, Unterweisungsnachweis, Regeln auf der Baustelle, Erste Hilfe, Anwesenheitsliste und Unfallstatistik, Informationstafel (schwarzes Brett), Beleuchtung, Arbeiten in Höhen und Seilgeschirre, Arbeiten in Höhen und Fangnetze, Werkzeuge, Arbeiten mit Leitern, Arbeiten mit Gerüsten, Arbeiten mit Rollgerüsten, Arbeiten mit elektrischen Arbeitsgeräten und Maschinen, Heißarbeiten: Flexen und Schweißen, Arbeiten unter Spannung "5 Regeln beachten", Umgang mit Gas, Transportarbeiten und schwebende Lasten, Flur- und Förderfahrzeuge, Öffnungen und Absturzsicherungen, Gefahrenstoffe, Gaslöschanlagen BGR 134 - CO2 Alarm, Sauberkeit am Arbeitsplatz, Umweltschutz und  Besucher.

Überwachen der Montage und/oder Inbetriebnahme

Überprüfung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen.
Regelmäßige Durchführung von Betriebsbegehungen mit Vorschlägen von Maßnahmen zur Mängelabstellung.


Überprüfung von Arbeitsmittel

Überprüfung von Arbeitsmittel und Arbeitsstätten vor und während der Montage und/oder Inbetriebnahme.

Erfassen von Unfällen

Auswertung von Arbeitsunfällen mit Ursachenanalyse und gff. Meldungen an den Vorgesetzten und/oder BG Meldung.
Unsere Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren (SiGeKo) verfügen alle über eine aktuelle Ersthelferbescheinigung.

Dokumentation

Dokumentation aller Sicherheits- und gesundheitschutzrelevanter Vorgänge.
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Unterweisung der Mitarbeiter für den Probebetrieb und/oder der Inbetriebnahme
Grundsätze der Prävention (BGV A1) bzw. Arbeitsschutzgesetz /Betriebssicherheitsverordnung


Besondere Gefahren im Probebetrieb und der Inbetriebnahme

Der Probebetrieb von Maschinen und Anlagen ist mit besonderen Gefährdungen und höheren Risiken als der Normalbetrieb verbunden.

Spezielle Tätigkeiten müssen in Gefahrenbereichen, die im normalen Produktionsbetrieb nicht zugänglich sind, ausgeführt werden. Außerdem sind Schutzeinrichtungen noch nicht oder erst teilweise wirksam.

Themenschwerpunkte: Verantwortliche Personen, Zugangsberechtigung, Begriffsbestimmung, rechtliche Situation, besondere Gefährdungen während des Probebetriebs wie: „selbstständig anlaufende Roboter oder Fördertechnik, nicht funktionierende Notausschalter  und Maßnahmen für den sicheren Probebetrieb.


Inhaltsverzeichnis:

1. Begriffsbestimmung
2. Rechtliche Situation
3. Besondere Gefährdungen während des Probebetriebs
4.0 Maßnahmen für den sicheren Probebetrieb und folgende:
4.1 Allgemeines
4.2 Verantwortung klären
4.3 Leiter des Probebetriebs benennen
4.3.1 Aufgaben
4.3.2 Planung des Ablaufs und Beurteilung der Gefährdungen
4.3.3 Gefahrenbereiche festlegen und kennzeichnen
4.3.5 Schutzmaßnahmen treffen
4.3.5.1 Technische Schutzmaßnahmen
4.3.5.2 Weitere Maßnahmen
5 Zusammenfassung

1. Begriffsbestimmung

1. Begriffsbestimmung
Der Probebetrieb von Maschinen und Anlagen dient der Überprüfung von Funktionen und Eigenschaften sowie der Erkennung und Beseitigung von Fehlern.

Der Probebetrieb entspricht der Endprüfungsphase einer Maschine oder Anlage und liegt daher, auch in den Betriebsräumen des Betreibers, in der Verantwortung des Herstellers. (Anmerkung: Da bei Anlagen in der Regel mehrere Hersteller von einzelnen Anlagenkomponenten beteiligt sind, ist mit Hersteller hier derjenige gemeint, der als Generalunternehmer bzw. Hersteller der Gesamtanlage auftritt).

Nach Möglichkeit werden zunächst Probeläufe der einzelnen Aggregate und Einrichtungen durchgeführt. Wenn diese ihre Vorgaben erfüllen, wird die gesamte Anlage getestet. Die durch den Probebetrieb ermittelten Zustände und Kennwerte können mit den geplanten Eigenschaften verglichen werden. Auf dieser Grundlage können Änderungen und Optimierungen vorgenommen werden, um die Zielvorgaben zu erreichen.

Beim Probebetrieb können die für den Normalbetrieb erforderlichen Schutzmaßnahmen noch nicht in vollem Umfang getroffen werden. Im Rahmen dieses Informationsblattes wird unter Probebetrieb nur derjenige Betrieb verstanden, der noch in der Verantwortung des Herstellers liegt, solange die Anlage noch nicht an den Betreiber übergeben wurde.

Probeläufe durch den Betreiber nach Änderungen, Umbauten, Reparatur- oder Instandhaltungsarbeiten u. ä., also zwischen Phasen des Normalbetriebes, werden nicht betrachtet. Vorgehensweise und mögliche Schutzmaßnahmen lassen sich aber sinngemäß übertragen (vgl. auch BGI 5003 „Maschinen der Zerspanung").

2. Rechtliche Situation

2. Rechtliche Situation
Der Probebetrieb liegt als Teil des Herstellungsprozesses noch vor dem Zeitpunkt des Inverkehrbringens.

Daher können die erforderlichen Einstellungen vorgenommen werden, ohne dass die Maschine konform zur europäischen Maschinenrichtlinie sein muss. Aber es müssen dann andere Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Der Probebetrieb ist nicht mit der Inbetriebnahme durch den Betreiber zu verwechseln:
Unter Inbetriebnahme ist die erstmalige Verwendung einer Maschine bzw. eines Produktes durch ihren Endbenutzer im Gebiet des Europäischen Wirtschaftsraumes zu verstehen.

Maschinen und Anlagen müssen daher bei der Inbetriebnahme bereits alle anzuwendenden Richtlinien erfüllen!
Die europäische Maschinenrichtlinie legt zwar grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen für Maschinen fest, enthält aber keine Regelungen zum Probebetrieb. Das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) kann ebenfalls nicht herangezogen werden, da es das Inverkehrbringen von Produkten regelt.

Der Probebetrieb liegt aber vor dem Zeitpunkt der Übergabe an den Betreiber und damit ist die Maschine oder Anlage noch nicht in Verkehr gebracht. Allerdings sind auch während des Probebetriebs weiterhin die Vorgaben der Unfallverhütungsvorschrift BGV A1 „Grundsätze der Prävention“ in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zu beachten.

Hierzu zählen insbesondere die Pflichten des Unternehmers (hier des für den Probebetrieb verantwortlichen Herstellers), wie z.B. Beurteilung der Arbeitsbedingungen, Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Unterweisung (vgl. BGV A1, zweites Kapitel).

Zu den Pflichten der Versicherten (hier der am Probebetrieb beteiligten Mitarbeiter) zählen u. a. sicherheitsgerechtes Verhalten, Benutzung von Schutzeinrichtungen und die Beachtung von Zutritts- und Aufenthaltsverboten (vgl. BGV A1, drittes Kapitel).

3. Besondere Gefährdungen während des Probebetrieb

3. Besondere Gefährdungen während des Probebetriebs
Das eingesetzte Personal ist im Probebetrieb der Maschine oder Anlage durch besondere Gefährdungen einem höheren Risiko ausgesetzt als während des Normalbetriebes.

Das erhöhte Risiko resultiert aus der üblicherweise höheren Beanspruchung des Personals (unvorhergesehene Probleme, Zeitdruck, Ermüdung, Lärm, ungünstige klimatische Bedingungen, schwierige Kommunikation), gegenseitiger Gefährdung, da unterschiedliche Gruppen oft gleichzeitig arbeiten müssen, sowie evtl. noch fehlerhafter Technik und unwirksamen oder ungeeigneten Schutzeinrichtungen.

Zudem wird die Gefahr des unerwarteten Anlaufs von Maschinenteilen oft nicht bedacht, was ein hohes Unfallrisiko birgt.


4. Maßnahmen für den sicheren Probebetrieb

4.0 Maßnahmen für den sicheren Probebetrieb

4.1 Allgemeines

Grundsätzlich sollten die Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzmaßnahmen des Normalbetriebes bereits beim Probebetrieb soweit wie möglich ergriffen sein.

Wegen der Unvollständigkeit der noch im Aufbau befindlichen Anlage sowie noch stattfindender Montagetätigkeiten lässt sich dies jedoch meistens nicht realisieren.
Daher muss auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung gemäß ArbSchG ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden, das neben den bereits wirksamen Sicherheitseinrichtungen noch weitere Schutzmaßnahmen enthält.

Die grundsätzliche Vorgehensweise zur Ermittlung von Schutzmaßnahmen für den Probebetrieb ist in Abbildung 1 auf Seite 6 durch ein Flussdiagramm dargestellt.

4.2 Verantwortung klären

Fragen der Verantwortung und Kompetenzen der beteiligten Firmen und Mitarbeiter während des Probebetriebes sollten schriftlich eindeutig geregelt sein. Üblicherweise befindet sich die Anlage während der Montage und des Probebetriebs in der Verantwortung des Herstellers bzw. Generalunternehmers, auch während sie im Werk des Betreibers installiert wird. Erst zu einem vereinbarten Übergabezeitpunkt geht die Anlage in die Verantwortung des Betreibers über (betriebsbereite Übergabe).

4.3 Leiter des Probebetriebs benennen

Für den Probebetrieb sollte ein verantwortlicher Leiter, bei längeren Probebetriebsphasen auch ein Stellvertreter, benannt werden.

Der Leiter des Probebetriebs sollte aufgrund seiner Qualifikation und Erfahrung für die ihm übertragenen Aufgaben befähigt sein und seinerseits Weisungsbefugnis erhalten.

Dies setzt insbesondere hinreichend genaue Kenntnisse über das Zusammenwirken der einzelnen Anlagenteile voraus.

4.3.1 Aufgaben

Dem Leiter des Probebetriebs sollten die folgenden Aufgaben übertragen werden:
* Festlegung des Ablaufs des Probebetriebs.
* Beurteilung von Gefährdungen und Risiken.
* Festlegung von Gefahrenbereichen und deren Kennzeichnung.
* Festlegung der Schutzmaßnahmen und Überprüfung der Wirksamkeit.
* Unterweisung und Beauftragung von Mitarbeitern.
* Sicherstellung von Erster Hilfe und Rettungswegen.
* Festlegung von Schaltberechtigungen.
* Stetige Erreichbarkeit und Bekanntheit bei allen Mitarbeitern.
* Überprüfung der Qualifikation der Mitarbeiter (einschließlich Sprachkenntnissen).

Bei größeren Projekten sollten zusätzlich Verantwortliche für bestimmte Bereiche benannt werden, die den Leiter des Probebetriebs entlasten und unterstützen. Weiterhin sollte die Möglichkeit bestehen, den Leiter des Probebetriebes bei speziellen Tätigkeiten durch Fachkräfte zu unterstützen, beispielsweise bei der Beurteilung von Gefährdungen.

Auf Baustellen werden Teile einer Anlage oftmals bereits einem Probebetrieb unterzogen, während sich andere Teile noch in der Errichtung befinden. Zudem sind hierbei in aller Regel mehrere Firmen gleichzeitig tätig.

Daher sollte der Probebetrieb nur in enger Abstimmung zwischen dem Leiter des Probebetriebs und dem Baustellenverantwortlichen oder Koordinator durchgeführt werden (vgl. auch BGI 528 „Sicherheit und Gesundheitsschutz durch Koordinieren“).

4.3.2 Planung des Ablaufs und Beurteilung der Gefährdungen

Der verantwortliche Leiter des Probebetriebs muss zuerst den Ablauf des Probebetriebs planen und, ggf. mit Unterstützung von weiteren Fachkräften, die Risiken und Gefährdungen bewerten.

Im Hinblick auf eine Minimierung von Gefährdungen sind die Reihenfolge der Tätigkeiten, die Arbeitsverfahren und Schutzmaßnahmen festzulegen. Bei der Beurteilung von Gefährdungen ist es u.U. zweckmäßig die Beurteilung tätigkeitsbezogen zu erstellen. Gemäß ArbSchG ist bei gleichartigen Arbeitsbedingungen die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend.

Dabei sind ggf. auch die Sicherheitshinweise der Hersteller von zugelieferten Maschinen und Anlagenteilen zu beachten. Bei der Planung des Ablaufs sollten sämtliche dem Probebetrieb vorausgehenden Prüfungen der Anlage berücksichtigt werden, wie Standsicherheit, Energieanschlüsse, Betriebsbereitschaft von Sicherheitseinrichtungen, korrekte Funktion der Steuerungslogik von Antrieben, Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag.

Alle anwendbaren Schutzmaßnahmen müssen bereits bei den ersten Probeläufen wirksam sein. Hierzu zählen insbesondere technische Schutzeinrichtungen z.B. Einrichtungen zum Stillsetzen im Notfall oder, bei elektrischen Gefährdungen, Ausschalten im Notfall. (Anmerkung: Im folgenden wird für beide Einrichtungen verallgemeinernd der Begriff „Not-Aus“ verwendet.)

Noch nicht funktionsfähige Schutzeinrichtungen sollten abgedeckt oder gekennzeichnet werden („Außer Betrieb“), so dass eine Verwechselung mit bereits wirksamen Einrichtungen ausgeschlossen ist. Hinweise zur Ermittlung der Gefährdungen können den Dokumentationen von zugekauften Anlagenteilen entnommen werden. Allgemeinere Gefährdungskataloge, die als Checklisten dienen können, sind in den Normen DIN EN ISO 12100-1 und DIN EN ISO 14121-1 enthalten.

Neben der Erkennung von Handlungsbedarf und der Festlegung von Schutzmaßnahmen stellt die Gefährdungsbeurteilung eine gute Grundlage für die Unterweisung der Mitarbeiter dar.

4.3.3 Gefahrenbereiche festlegen und kennzeichnen
 
Bei der Festlegung der Gefahrenbereiche sollten die Fälle „erwartungsgemäßer  Betrieb“  und  „Fehlerfall“  betrachtet werden.

Ein Bruch oder das  Wegfliegen  von  Maschinen-  oder  Werkstückteilen  kann  eine Vergrößerung  des  abzugrenzenden  Gefahrenbereiches  und weitere Schutzmaßnahmen erforderlich machen.

Der gesamte Bereich um die im Probebetrieb befindliche Anlage herum sollte weiträumig gegen den Zutritt Unbefugter gesichert werden.

Der Zutritt darf nur bei Stillstand der Anlage durch den für den jeweiligen Bereich Verantwortlichen gewährt werden. An möglichen Zutrittswegen zum Gefahrenbereich sind Warnschilder anzubringen mit Benennung der Verantwortlichen (Name und Telefonnummer – Siehe Seite 2).

Außerdem sind Bereiche einer Anlage, die sich noch in der Montage befinden eindeutig von Bereichen zu trennen, die bereits im Probebetrieb laufen.
 
Die Gefahrenbereiche der Anlage, in der sich auch bei Stillstand nur beauftragte und unterwiesene Personen aufhalten dürfen sind zu kennzeichnen. In der Praxis bewährt hat sich hierfür z.B. der Einsatz flexibler Zäune.

Eine reine Kennzeichnung anstelle einer trennenden Schutzeinrichtung ist hier zulässig, solange nur die beauftragten und unterwiesenen Mitarbeiter des Probebetriebs Zugang haben.

Befindet sich die zu erprobende Anlage auf einer Baustelle auf der mit Fremd- oder Betreiberpersonal zu rechnen ist, sollten die Gefahrenbereiche auf jeden Fall durch stabile, möglichst verankerte Gitterzäune und verriegelte Zugangstüren abgesichert werden.

Der weisungsbefugte Leiter des Probebetriebs muss gewährleisten, dass sich keine Person länger oder öfter als unbedingt notwendig im Gefahrenbereich aufhält. Arbeiten, die bei Stillstand möglich sind, dürfen auf keinen Fall bei laufender Anlage ausgeführt werden.

Es darf auch nicht geduldet werden, dass Mitarbeiter „nur mal eben schnell“ im Gefahrenbereich ohne Schutzmaßnahmen tätig werden. Ebenso sollten Vorgesetzte durch ihr Vorbild das Verhalten der Mitarbeiter beeinflussen, indem auch sie sich den Schutzmaßnahmen unterziehen und sich beispielsweise den Zutritt vom Leiter des Probebetriebs bzw. dem Bereichsverantwortlichen genehmigen lassen.

4.3.4 Unterweisung durchführen

Siehe Themenschwerpunkte.

4.3.5 Schutzmaßnahmen treffen

Das Einleiten gefahrbringender Bewegungen darf nicht alleine aufgrund einer zeitlichen Verabredung erfolgen.

4.3.5.1 Technische Schutzmaßnahmen

Als technische Schutzmaßnahmen zur Absicherung des Probebetriebes kommen u.a. in Betracht:

* Einsatz sicherer Steuerungen mit bewährten Schaltungstechniken und Komponenten.
* Vermeidbare Bewegungen sicher abschalten.
* Sämtliche Not-Aus-Kreise funktionsbereit.
* Reduzierte Geschwindigkeiten
   (z.B. 250 mm/s ohne Quetsch- und Schergefahr, 33 mm/s bei Quetsch- und Schergefahr).
* Reduzierte Antriebsenergie (soweit möglich). 
* Alleinige Kontrolle gefahrbringender Bewegungen über mitgeführtes Handgerät mit Zustimmungsschalter, Not-Aus, Tipp-Schaltung. Notwendige Anschlussbuchsen sind vom Konstrukteur vorzusehen.

Als weitere Schutzmaßnahme, kann der Einsatz eines Sicherungspostens außerhalb des abgegrenzten Bereiches sinnvoll sein, z. B. bei Arbeiten mit besonders hohem Unfallrisiko.

Dieser Sicherungsposten, ebenfalls mit Zustimmungs- und Not-Aus-Schalter ausgestattet, beobachtet den Kollegen und kann zusätzlich eingreifen.
In späteren Phasen des Probebetriebs kann es notwendig sein, Probeläufe mit voller Arbeitsgeschwindigkeit zu fahren.

Oft ist ein genaues Beobachten des Arbeitsprozesses erforderlich, was nicht vollständig von Standorten außerhalb des abgegrenzten Bereiches möglich ist, sondern den Aufenthalt innerhalb der Anlage erfordert.

Personen, die diese Beobachtungsaufgabe auszuführen haben, dürfen sich innerhalb des abgegrenzten Bereiches nur noch in Schutzbereichen aufhalten.

Zusätzlich ist eine ortsbindende Tippschaltung zusammen mit einer Not-Aus-Einrichtung einzusetzen, die so angeordnet ist, dass keine Gefährdung des Beschäftigten möglich ist.

Anlage im Probebetrieb mit teilweise errichtetem Schutzzaun; Not-Aus-Kreise und optische Warneinrichtungen.

4.3.5.2 Weitere Maßnahmen

Vor Probeläufen, die mit gefahrbringenden Bewegungen verbunden sind, sollten, sofern möglich und sofern nicht schon vom Lieferanten erledigt, die Reaktion von Antrieben auf Steuereingaben zunächst separat getestet werden, um eventuell auftretende gefährliche Fehler in der Antriebslogik erkennen zu können.

Aufgrund „besonderer Gefahren“ bei der Durchführung des Probebetriebs haben die beteiligten Mitarbeiter gemäß ArbSchG geeignete Anweisungen zu erhalten. Es sollten daher entsprechende Arbeitsanweisungen erstellt und Unterweisungen durchgeführt werden.

Bei Arbeiten in engen Räumen innerhalb der Maschine oder Anlage sind Arbeitsschutzmaßnahmen nach BGR 117 zu beachten. Weitere Informationen hierzu enthält auch die BGI 534.

Die Zuständigkeiten von Mitarbeitern der Montage und am Probebetrieb beteiligten Mitarbeitern sollten klar getrennt sein. Bereits während der Konstruktion können die Gefährdungen des späteren Probebetriebes verringert werden.

So sollten möglichst viele Anlagenteile, auf die während des Probebetriebes zugegriffen werden muss, außerhalb des umzäunten Bereiches angeordnet werden. Dies sind z. B. Schaltschränke, Sicherungskästen, Hilfsaggregate wie Kompressoren, Bedienelemente, Armaturen, Anzeigegeräte, Bevorratungsbehälter für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.

Es sollte ferner geprüft werden, inwieweit Sonderbetriebsarten eingerichtet werden können, die einen Probebetrieb erlauben ohne Schutzeinrichtungen zu umgehen.
Weiterhin sollten Möglichkeiten der Ferndiagnose bei Störungen und Fehlern (Fehlerspeicher, Sensoren, Videoüberwachung, Schnittstellen zum Internet und somit zum Hersteller) vorgesehen werden, die zum Ziel haben, sowohl während des Probebetriebs als auch im Normalbetrieb, möglichst selten den Gefahrenbereich betreten zu müssen und nicht zu improvisieren.

Es ist darüber hinaus empfehlenswert auf der Baustelle möglichst das gleiche Team für den Probebetrieb wie im Herstellerwerk einzusetzen.

Vor allem Zeitdruck und Hektik führen häufig dazu, dass Mitarbeiter Sicherheitseinrichtungen außer Kraft setzen oder Sicherheitsbestimmungen umgehen. Diese Reaktionen sind bekannt und vorhersehbar.

Vorgesetzte sollten daher durch ihr Führungsverhalten deutlich machen, dass die Sicherheit des Mitarbeiters Vorrang auch gegenüber möglichen Verzugszeiten hat. So kann die Akzeptanz gegenüber notwendigen Schutzmaßnahmen während des Probebetriebs gesteigert werden.

5. Zusammenfassung

5 Zusammenfassung
 
Der Probebetrieb von Maschinen und Anlagen ist mit besonderen Gefährdungen und höheren Risiken als der Normalbetrieb verbunden.

Spezielle Tätigkeiten müssen in Gefahrenbereichen, die im normalen Produktionsbetrieb nicht zugänglich sind, ausgeführt werden. Außerdem sind Schutzeinrichtungen noch nicht oder erst teilweise wirksam.

Jedoch sind auch für den Probebetrieb die Anforderungen der BGV A1 in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz und der Betriebssicherheitsverordnung zu berücksichtigen.

Daher sollte auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden, das neben den bereits wirksamen Sicherheitseinrichtungen noch weitere Schutzmaßnahmen enthält.

Ein benannter, verantwortlicher Leiter sollte den Ablauf des Probebetriebs und den erforderlichen Personaleinsatz planen und die Einhaltung der von ihm festgelegten Schutzmaßnahmen überwachen.

Zur Gewährleistung der Sicherheit sollten generell folgende Maßnahmen getroffen werden:

* Verantwortlichen Leiter des Probebetriebs benennen.
* Arbeiten an laufenden Maschinen oder Anlagen nur wenn unbedingt erforderlich.
* Not-Aus-Kreise funktionsbereit.
* Sicherungseinrichtungen soweit möglich funktionsbereit.
* Reduzierte Geschwindigkeiten, ansonsten Schutzbereiche mit Ortsbindung.
* Vermeidbare Bewegungen sicher abschalten.
* Mitnehmbares Handbediengerät mit Zustimmtaster, Tippschalter und Not-Aus.
* Gefahrenbereiche kennzeichnen; Warnschilder anbringen mit Name und Telefonnummer des Verantwortlichen.
* Auf Baustellen: Zutritt zu Gefahrenbereichen durch feste Zäune absichern; Zugangstüren verriegeln.
* Vor Probelauf mit gefahrbringenden Bewegungen: Steuerlogik und Antriebsmotoren separat testen.
* Arbeitsanweisung erstellen; klare Trennung Montage – Probebetrieb.
* Unterweisung der am Probebetrieb beteiligten Mitarbeiter durchführen.
* Erste Hilfe und Rettungswege sicherstellen.

Desweiteren sind Gefährdungen durch den Probebetrieb bereits während der Konstruktion zu berücksichtigen.
 


Weitere Informationen zur Baustellenverordnung (Baustelle IV) und BGV A1: Grundsätze der Prävention

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